Handbuch Der Ikonographie. Sakrale Und Profane Themen Der Bildenden Kunst

Handbuch Der Ikonographie. Sakrale Und Profane Themen Der Bildenden Kunst

Autor : Sabine Poeschel
Geschlecht : Bücher, Film, Kunst & Kultur, Geschichte & Kritik,
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Format : PDF, ePub

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Handbuch Der Ikonographie. Sakrale Und Profane Themen Der Bildenden Kunst

Über den Autor und weitere Mitwirkende Sabine Poeschel, geb. 1956, ist Privatdozentin für Kunstgeschichte an der Universität Stuttgart. Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten. Simson und Delila Simson verliebte sich in Delila. Die Philister versprachen ihr Geld, wenn sie herausbekomme, worin die Stärke Simsons liege. Nachdem Delila ihm drei Mal eine Antwort entlockt und ihn dann den Philistern ausgeliefert hatte, er sich jedoch befreien konnte, da er gelogen hatte, klagte sie, er liebe sie nicht, wenn er nicht sein Geheimnis preisgebe. So bedrängt verriet er ihr schließlich, dass die Kraft von seinen ungeschnittenen Haaren komme. Nach dieser Offenbarung benachrichtigte Delila erneut die Philister und ließ sich bezahlen. Als Simson eingeschlafen war, schnitt ihm ein Diener das Haar, wodurch er seine Kraft verlor. Die Philister nahmen ihn gefangen und stachen ihm die Augen aus (Ri 16, 4–22). Das Thema warnt vor dem Fall des tugendhaften Mannes durch erotische Verblendung, zumal Simson sein Geheimnis verriet, obwohl man ihm bereits drei Mal bei Delila aufgelauert hatte. Das Thema ist nicht religiös belegt, sondern kommt in profanen Zusammenhängen vor. Seit dem 16. Jh.! gehörte es zu den so genannten Weiberlisten, einer von der Kirche getragene Kampagne gegen die Macht der Frauen, die im 17. Jh. mit Bordellszenen assoziiert werden. Die Verbindung von Liebe, Lust und Gewalt machte den Fall Simsons zu einem Lieblingsthema des Barock.Die Szene spielt sich vor dem Haus der Delila oder nach dem Text der Bibel 'in ihrer Kammer' ab. Sie ist eine junge, schöne Frau, vielfach nackt oder halb entblößt. Simson hat schlafend den Kopf vertrauensvoll auf ihren Schoß gelegt (van Leyden). Seine Kraft wird durch eine Rüstung oder die mächtige Muskulatur angedeutet, doch ist er hilflos gegen die erotische Macht der Frau, die ihn erschöpft hat und auf die in Rubens‘ Bild die Statue der Venus im Hintergrund verweist. Rubens zeigt korrekt, dass nicht Delila Samson die Haare schneidet, sondern ein Diener. Vielfach aber wird sie selbst bei der Tat dargestellt, um ihren Verrat anzuprangern (Rembrandt, Guercino). Van Dyck zeigt das Entsetzen in der Mimik des Helden, der den Verrat erkennt und seine plötzliche Kraftlosigkeit begreift. Rembrandt deutet in seinem Berliner Bild durch das gezückte Schwert die bevorstehende Blendung Simsons an, die er in seinem Frankfurter Gemälde auf äußerst drastische Weise darstellt.Nicola Pisano, Perugia, Fontana maggiore, 1278; Lucas van Leyden, Holzschnitt, 1513; Andrea Mantegna, London, National Gallery, 1495; Peter Paul Rubens, London, National Gallery, 1609; Rembrandt, Berlin, Gemäldegalerie, 1628; Guercino, Straßburg, Musée des Beaux-Arts, 1619; Anthonis van Dyck, Wien, Kunsthistorisches Museum, 1628; Rembrandt, Blendung Simsons, Berlin, Gemäldegalerie, 1628 und Frankfurt/M., Städel, 1636.