Immer Wieder Nahkampf: Ein Träger Der Nahkampfspange In Gold Erinnert Sich

Immer Wieder Nahkampf: Ein Träger Der Nahkampfspange In Gold Erinnert Sich

Autor : Ingo Möbius
Geschlecht : Bücher, Politik & Geschichte, Deutsche Geschichte,
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Immer Wieder Nahkampf: Ein Träger Der Nahkampfspange In Gold Erinnert Sich

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten. Als die Nahkampfspange Ende November 1942 gestiftet wurde, war die Zeit der deutschen Blitzkriegserfolge längst beendet. Besonders an der Ostfront standen die deutschen Truppen in sich abwechselnden Angriffs- und Abwehrkämpfen. Einige Teile der Front waren sogar komplett im Stellungskrieg erstarrt. Mit Schaffung der neuen Auszeichnung erhielt die Fronttruppe eine Möglichkeit, im Infanteriekampf besonders bewährte Soldaten auszeichnen zu können. Für die höchste Stufe, die Nahkampfspange in Gold, wurde die Zahl von 50 bestätigten Nahkampftagen festgelegt. Später stellte sich heraus, daß diese Zahl enorm hoch war. Bis heute sind nur rund 640 Personen namentlich bekannt geworden, denen die Nahkampfspange in Gold verliehen wurde.Einer dieser Soldaten war Franz Schmid. Seit Beginn des Rußlandfeldzuges kämpfte er als Angehöriger des Panzerpionierbataillons 27 im Rahmen der 17. Panzerdivision. Ende September 1942 führte er als Gefreiter eine Gruppe in der 2. Kompanie des PiBtl 27. Die 17. PD lag im Großraum Orel und die Pionierkompanie erhielt den Auftrag, einen örtlichen russischen Einbruch zu bereinigen.„Es sollte ein vom Russen vor einigen Tagen eroberter Schützengraben aufgerollt werden. Von der Berghöhe aus, um die unser Graben verlief, konnte man den Feind und seine Truppenbewegungen bis weit in das Hinterland beobachten. Die Stellungen verliefen ungefähr hufeisenförmig um den Berg. Dieser Berg war etwa 300 m weiter vorgeschoben als die Grabenstellungen links und rechts davon. Durch einen Verbindungsgraben waren die Stellungen durchgehend verbunden. Und genau bis zu diesem Verbindungsgraben hatte der Russe unsere Stellungen erobern können. Das hätte dem Russen ja vielleicht schon gereicht, denn jetzt konnten wir ihnen nicht mehr ohne weiteres in die Suppe spucken. Aber den „unseren“ paßte das nicht, darum sollten wir die Höhe wieder zurückerobern.Beim Morgengrauen des 28. September 1942 traten wir Pioniere zum Gegenstoß an. Der Russe hatte den Graben, soweit er ihn erobert hatte, zugeschüttet, so daß wir das Hindernis erst übersteigen mußten, und er uns besser abschießen konnte. Aber diesen Gefallen taten wir ihm nicht. Wir sprengten mit ein paar Tellerminen den zugeschütteten Teil frei. Danach ging es mit Handgranaten und Flammenwerfern los. Meter um Meter mußte erkämpft werden. Gleich auf den ersten Schritten hatten wir schon einen Schwerverwundeten. Er war auf eine Mine getreten, und sein Bein war bis zum Knie zersplittert. Es war der Gefreite Wimmer. Wir banden ihm das Bein ab und brachten ihn anschließend sofort zurück. Der Nächste mußte an seine Stelle treten, obwohl er wußte, daß ihm beim folgenden Schritt ein ähnliches Schicksal ereilen konnte.Wir kamen nur ein Stück voran, dann verhärtete sich der Widerstand so, daß unsere Ausfälle unvertretbar wurden. Zwei Ausfälle durch Verlust der Beine und mehrere Verwundete durch Handgranatensplitter. Der Angriff wurde eingestellt, das Grabenstück wieder zugeschüttet und vermint. Es konnte ja durchaus sein, daß der Feind auch frontal einen Gegenstoß machen würde. Daher hieß es sofort: „Vorbereiten für die Nacht!“ Denn daß der Russe bei Nacht angreifen würde, das war so sicher wie das Amen in der Kirche. Jeder mußte mal seine Notdurft verrichten, so auch ich. Da ungefähr 20 Meter neben unserem Graben eine verlassene russische Granatwerferstellung lag, spurtete ich rüber und erledigte mein Geschäft. Nebenbei beobachtete ich, daß ein paar Kisten russischer Handgranaten in der Stellung lagen. Diese sollten mir noch gute Dienste leisten. Es waren etwa 60 bis 80 Handgranaten und geballte Ladungen.Ungefähr um Mitternacht setzte russisches Artilleriefeuer und das Feuer von Granatwerfern und Stalinorgeln ein. Jetzt wußten wir, daß der Russe in der nächsten halben Stunde mit seinen Massen von Soldaten angreifen würde. Er kam nicht nur im Graben, sondern versuchte auch frontal über das ganze Gelände uns zu überrennen. Durch den Geländegewinn, den ich mit meiner Gruppe bei Tage erreicht hatte, waren wir am weitesten rechts vorne und hatten nun die Hauptlast dieses Angriffes zu tragen. Hinter mir lag die 7. Gruppe, die nach links sicherte, und somit den Russen von der Flanke bekämpfen konnte. Vermutlich wollte der Iwan die weit hinter uns liegende Auffangstellung überrennen.Im Scheine der Leuchtpatronen konnten wir den Haufen Russen erkennen, die etwa 20 bis 30 Meter vor unseren Stellungen lagen, und die wir gerade mit Handgranaten und geballten Ladungen niederhalten konnten. Als langsam unsere Handgranaten knapp wurden, fielen mir die russischen Handgranaten ein, die ich tagsüber in der Granatwerferstellung gesehen hatte. Kurz entschlossen rannte ich rüber und holte die erste Kiste. Den Inhalt verteilte ich sofort an die Gruppe. Danach rannte ich noch drei Mal, bis alle Handgranaten herbeigeholt waren. Das Ende sah dann so aus, daß sich der Russe wegen der schweren Verluste bei uns zurückzog und die ganze Nacht nicht mehr angriff. Daß der Russe nicht mehr angriff, war auch unser Vorteil. Denn der I. und der II. Zug hielten dem Angriffsdruck nicht stand, so daß sie bis zum nahe liegenden Dorf Miljawoje ausgewichen waren. Dabei hatte es beim Zurückgehen in dieses Dorf den Oberfeldwebel Heckl, den Zugführer des II. Zuges, durch einen Schuß in den Rücken tödlich erwischt.Wir wußten die gesamte Nacht hindurch nicht, daß wir mit etwa zwölf Mann Gesamtstärke „mutterseelenallein“ in der Stellung lagen und diese auch gehalten hatten. Beim Morgengrauen setzte auf einmal die eigene Artillerie auf unsere Stellungen ein, so daß wir uns im Graben flach hinlegen mußten. Jetzt aber schnell weiße Leuchtkugeln geschossen, das Zeichen für „hier sind wir“ oder „eigene Truppe“. Mein Kompaniechef, Oberleutnant Ebner, der nach seiner Verwundung inzwischen wieder bei uns war, kam mit der Kompanie angerückt und wollte die Stellungen wiedererobern. Er staunte nicht schlecht, als er die zwölf Mann hier alleine antraf, die die Stellung die ganze Nacht gehalten hatten. Vermißt wurden wir wohl bei der Kompanie, aber man glaubte, daß wir tot oder gefangen wären. Es folgte eine Belobigung vom Chef, die Belohnung kam hinterher. Der Kompaniechef wollte auch unsere Stellungen abgehen und besichtigen. Er ging im Graben nach vorne bis zum Obergefreiten Rose. Dieser wollte ihm zeigen, wo sich der Russe verschanzt hatte. Es war der letzte Fehler seines Lebens. Kaum hatte er den Kopf über den Grabenrand gehoben, als es am Stahlhelm des Obergefreiten Rose einen Schlag gab, und er sodann mit einem Kopfschuß in den Armen des Kompaniechefs lag. Dieser, und auch ich, hatten unmittelbar hinter ihm gestanden. Heinz Rose wußte schon, daß sich ein Scharfschütze auf unseren Graben eingeschossen hatte, aber er wollte dem Oberleutnant genau erklären, wo er in Stellung lag. Es war wieder eine Warnung für alle anderen Kameraden.Von jetzt an durften wir das Niemandsland nur noch mit einem Grabenspiegel beobachten. Außerdem lag etwa 80 bis 100 m vor unserem Graben ein abgeschossener T-34, in dem wir den Scharfschützen vermuteten, der uns das Leben so sauer machte. Am Tage war es der Scharfschütze, und bei Nacht ein russisches MG. Ich bekam den Auftrag, mit drei Mann und drei Tellerminen in der Dämmerung den T-34 anzugehen und zu sprengen. Es gelang mir unter dem Feuerschutz meiner Kameraden den Panzer zu erreichen und ihn mit den Tellerminen restlos zu vernichten. Dieses Unternehmen war für uns wieder einmal ein Erfolg ohne eigene Verluste.Das gesamte Unternehmen bei Miljawoje hatte die Kompanie vom 28. September bis zum 10. Oktober 1942 jedoch mindestens sieben Tote und ebenso viele Verwundete gekostet. Davon waren mindestens drei Mann, die im Grabenkampf auf Minen getreten waren oder Handgranaten vor die Füße bekommen hatten, beinamputiert. Von diesem Zeitpunkt an, und für vorhergehende Scharmützel, war ich als...